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Frage:
Hälfte/Viertel von vielen - mit Singular oder Plural?  
von romy (CZ/GB), Last modified: 2018-07-04, 15:01  like dislike  Spam?  
"Ein Viertel aller Frauen hat" oder "ein Viertel aller Frauen haben" - was ist richtig?

Beim folgenden Satz hat sich rein gefühlsmäßig bei mir etwas dagegen gesträubt, dieses "ein Viertel glaubt, sie hat es verschuldet" hinzuschreiben, obwohl es rein grammatikalisch richtig erscheint - daher habe ich die Verben in die Mehrzahl gesetzt. Meine Korrekturleserin meinte, das Verb müsse auf jeden Fall im Singular stehen, und versteht mein "Bauchgefühl" nicht. Was meint ihr?
 
Trotz der Tatsache, dass Fehlgeburten recht häufig vorkommen und die meisten davon eine Folge chromosomaler Abnormitäten sind, glauben fast 70 Prozent der Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben, dass diese durch „Stress“ verursacht wurde, und mehr als ein Viertel (27 %) von ihnen glaubt, dass sie selbst es „irgendwie verschuldet hat“.

Ergänzung: Da wir die Übersetzung schon liefern müssen, habe ich den Satz jetzt so umgewandelt: ... und 27 Prozent (mehr als ein Viertel) von ihnen glauben, dass sie selbst es „irgendwie verschuldet haben“. Aber die Antwort auf diese Frage würde mich rein prinzipiell doch sehr interessieren, da ich sie mir nicht zum ersten Mal stelle.
Antwort: 
Google: hälfte singular plural  #893511
von RedRufus (DE), 2018-07-04, 15:01  like dislike  Spam?  
Chat:     
Ja, liebe RedRufus, stell dir vor, ich kenne Google auch!  #893512
von romy (CZ/GB), 2018-07-04, 15:05  like dislike  Spam?  
Aber was sagt dir dein Bauchgefühl? Google führt übrigens sehr oft auch zu falschen Informationen.
Antwort: 
von ddr (AT), Last modified: 2018-07-04, 15:39  like dislike  Spam?  
 #893513
Die Hälfte hat.
Ein Viertel hat.
Drei Viertel haben.
50 % haben.

Warum, weiß ich auch nicht. Bauchgefühl eben. :)) [Aber keine Sorge, stimmt schon.]
Antwort: 
ein Viertel aller Frauen hat  #893514
von Sasso', 2018-07-04, 16:01  like dislike  Spam?  193.187.3...
Schließe mich an. Mein deutsches Sprachgefühl sträubt sich entschieden gegen den Plural, der wegen der verbesserten allgemeinen Englischkenntnise immer wieder als Anglizismus ins Deutsche herüberzuschwappt. Im Deutschen feiern auch zwei Leute ihren Geburtstag (und nicht ihre Geburtstage) und Verbrauch, Musik und Politik haben keine Mehrzahl.

Bei einer Aneinanderreihung von statistischen Daten wirkt der Wechsel zwischen Singular und Plural nicht unbedingt elegant, sodass die durchgehende Formulierung mit Prozentzahlen im vorliegenden Fall berechtigt ist. Außerdem ist 27% präziser als "mehr als ein Viertel".
Antwort: 
Grammatik  #893517
von Proteus-, 2018-07-04, 16:28  like dislike  Spam?  62.46.131...
ein Viertel / die Hälfte aller Frauen: als Subjekt  steht ein Viertel / die Hälfte im Singular; kein Subjekt kann im Genitiv ( aller Frauen ) stehen.
http://www.canoo.net/services/Controller?project=1&language=0&a...
Antwort: 
PS: Das Subjekt stimmt in Person und Numerus mit der finiten Verbform des Prädikats überein.  #893518
von Proteus-, 2018-07-04, 16:30  like dislike  Spam?  62.46.131...
Siehe die oben angeführte Verknüpfung.
Antwort: 
na wer wohl  #893521
von Gerhard- (DE), Last modified: 2018-07-04, 21:35  like dislike  Spam?  
Duden, Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 5. Auflage 1995 (gedruckte und gebundene Ausgabe! Im Jahre 2018!)

S. 702, Randziffer 1249, 2.: "Wenn einer Mengenangabe im Singular, die keine genaue Zahl ausdrückt (z.B. Anzahl, ..., Hälfte, ..., Menge, ...) das Gezählte im Plural folgt, dann müßte - streng grammatisch gesehen - das Finitum im Singular stehen: Eine Menge fauler Äpfel lag unter dem Baum.

Doch findet sich in solchen Fällen auch in der Standardsprache statt des Singulars häufig der Plural des Finitums (Konstruktion nach dem Sinn). Das gilt vor allem dann, wenn das Gezählte und die Mengenangabe im Kasus übereinstimmen: ... wo eine Menge sonderbare Sachen herumliegen ...

S. 705, Randziffer 1250, 3.: "Bei pluralischen Prozent-, Bruch und Dezimalzahlen als Subjekt wird standardsprachlich das Finitum in den Plural gesetzt. Der Singular kommt eher in der Alltags- und Umgangssprache vor:
(...)
Auch bei Bezug der Fügung auf einen Gleichsetzungsnominativ im Plural steht das Finitum allgemein im Plural (vgl. auch 1255):
Zwei Drittel der Arbeitnehmer sind Angestellte des Renz-Konzerns. Über 50 Prozent der Einwohner wurden Opfer der Cholera."
Chat:     
Duden ist sich der Schwierigkeiten bewusst  #893523
von Gerhard- (DE), 2018-07-04, 21:48  like dislike  Spam?  
in der Einleitung zu dem oben zitierten Abschnitt 2.9 "Grammatische Kongruenz" steht:

"Mit den Regularitäten dieses Mechanismus gibt es nun vor allem dort Probleme, wo die formale Prägung eines sprachlichen Elements mit seinem Inhalt nicht zusammenstimmt. So steht z.B. die Wortgruppe 'Eine Menge Demonstranten' - formal betrachtet - im Singular, inhaltlich ist aber eine 'Vielzahl' bezeichnet.
(...)
Bei Differenz zwischen formaler und inhaltlicher Prägung kann in vielen Fällen nach dem Inhalt entschieden werden; man spricht dann von einer Construction ad sensum oder Konstruktion kata synesin. Solche Konstruktionen sind aber nicht immer möglich."

Es gibt dann sogar einen eigenen Abschnitt 2.9.3, in der die vorher erläuterten Sonderregelungen (zum Gleichsetzungsnominativ und Finitum) nochmal zusammengefasst dargestellt werden.
Antwort: 
Wer sich an die 16:28 / 16:30 skizzierte, watscheneinfache Grammatikregel hält, liegt niemals falsch.  #893526
von Proteus-, 2018-07-04, 23:19  like dislike  Spam?  62.46.131...
Sich aufs logisch fragwürdige Herumeiern einzulassen, liegt jenen am besten, die es mit der Logik nicht so haben. Das ist natürlich im Sprachgebrauch durchaus mehrheitsfähig, ob im Deutschen oder im Englischen.
Antwort: 
Danke, Leute, die Grammatikregel war mir schon klar.  #893528
von romy (CZ/GB), 2018-07-05, 01:59  like dislike  Spam?  
Aber: Ein Viertel der Frauen sagt, glaubt, hat Schuldgefühle...?
Ich bemühe mich hier ja nur, logisch zu denken. Ist es das Viertel, das hier spricht, oder sind es die Frauen? Zusammenfassend würde ich vorschlagen, dass wir solche Formulierungen, in denen Viertel und Hälften menschliche Handlungen vollziehen, lieber umformulieren sollten. Grammatikalisch richtig heißt nicht unbedingt, dass es schön und vernünftig klingt.
Chat:     
von MichaelK (US), 2018-07-05, 03:08  like dislike  Spam?  
 #893529
4;romy: Well said. The thoughts in the 21:48  post confirm your feelings.
Antwort: 
von thhgr, 2018-07-05, 07:38  like dislike  Spam?  79.229.132...
 #893530
4;romy

Die Schuldgefühle sind doch hier Mehrzahl, weil sie immer in der Mehrzahl daherkommen, also ich habe keine Schuldgefühle (sogar in der Verneinung ;-)) Oder?
Antwort: 
chromosomal abnormalities  #893541
von curiosity-killed-the-cat (DE), 2018-07-05, 12:54  like dislike  Spam?  
Hallo Romy,

es war nicht deine Frage, ist mir aber aufgefallen. Im Originaltext steht vermutlich "chromosomal abnormalities". Im Deutschen würde man von Chromosomenstörungen oder Chromosomenanomalien sprechen. Dict.cc sagt Chromosomenabnormalität.
Bei "Abnormitäten" würde man an Monster denken. Die Formulierung würde ich vermeiden.

Viele Grüße
Antwort: 
Danke curiosity  #893543
von romy (CZ/GB), 2018-07-05, 13:08  like dislike  Spam?  
Fürs nächste Mal merke ich mir "Anomalien".
Antwort: 
 Ist es das Viertel, das hier spricht, oder sind es die Frauen?   #893564
von Gerhard- (DE), 2018-07-05, 20:04  like dislike  Spam?  
Hallo Romy,

nach der oben zitierten Stelle aus dem Grammatik-Duden

S. 702, Randziffer 1249, 2.: "Wenn einer Mengenangabe im Singular, die keine genaue Zahl ausdrückt (z.B. Anzahl, ..., Hälfte, ..., Menge, ...) das Gezählte im Plural folgt, dann müßte - streng grammatisch gesehen - das Finitum im Singular stehen

hängt (nach der Grundregel) das Verb von der Mengenangabe ab.

Ein Viertel = Mengenangabe
Frauen = das "Gezählte"

Die Mengenangabe "ein Viertel" bestimmt also, dass das Verb in der Einzahl steht.
Antwort: 
Die Grundregel stimmt nicht immer  #893565
von Gerhard- (DE), 2018-07-05, 20:21  like dislike  Spam?  
zumindest wenn man dem Grammatik-Duden glaubt. Das Sprachgefühl dürfte aber derselben Meinung sein.

Oben angegebener Grammatik-Duden, Randnummer 1249, S. 203:

"Hingegen  ist nur der Plural des Finitums möglich, wenn der Gleichsetzungsnominativ im Plural steht (vgl. 1255):

... eine Reihe von Studenten waren bereits Parteimitglieder".

Wie gerade eben "eine Reihe" - Singular. Trotzdem steht das Verb im Plural: "waren". Verb im Singular "eine Reihe von Studenten ist bereits Parteimitglieder" dürfte der überwiegenden Mehrheit falsch vorkommen. Mit "Parteimitglied" ist Verb im Singular dagegen möglich: "eine Reihe von Studenten ist bereits Parteimitglied"; Verb im Plural  "eine Reihe von Studenten waren bereits Parteimitglied" nach Duden-Meinung aber auch akzeptabel.

Der Grammatik-Duden widmet dem Thema 28 Seiten. Die Grundregel ist fast immer anwendbar (aber eben nur fast), die beschriebenen Abweichungen davon meist zusätzlich zur Grundregel akzeptiert. Möglicherweise ist die oben angeführte Ausnahme sogar die einzige, bei der von der Regel abgewichen werden muss, ich habe das nicht alles durchgeackert.
Antwort: 
Jawohl, Gerhard, vielen vielen Dank! Du hast (und auch der Duden hat) das Problem begriffen.  #893566
von romy (CZ/GB), 2018-07-05, 20:57  like dislike  Spam?  
Dein Beispiel trifft den Nagel auf den Kopf. Jetzt kommen wir der Sache endlich näher, nämlich der Frage, wo Ausnahmen von der Regel angesagt sind. Wenn du dir meinen gestrigen Beipielsatz ansiehst, müsste er regelgerecht so da stehen:

Trotz der Tatsache, dass Fehlgeburten recht häufig vorkommen und die meisten davon eine Folge chromosomaler Anomalien sind, glauben fast 70 Prozent der Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben, dass diese durch „Stress“ verursacht wurde, und mehr als ein Viertel (27 %) von ihnen glaubt, dass es selbst es „irgendwie verschuldet hat“.

Ein Viertel glaubt, es habe die Fehlgeburt selbst verschuldet. Nein, danke.
Wie fasst man einen solchen Ausnahmefall aber in Worte, um ihn zu rechtfertigen?
Antwort: 
von Gerhard- (DE), Last modified: 2018-07-05, 22:03  like dislike  Spam?  
 #893567
Hallo Romy,

ich denke, Regeln stoßen hier an Grenzen. Wenn die Duden-Redaktion manche Konstruktionen als zulässig und andere als nicht zulässig einschätzt, dann ist das eine wichtige Meinung, aber kein Gesetz. Wenn viele Leute (auch angesehene Schriftsteller) ein anderes Sprachgefühl haben, dann wird sich das möglicherweise im Lauf der Zeit durchsetzen (und irgendwann im Duden erscheinen ...). An etlichen Stellen gibt der Duden auch keine feste Empfehlung, sondern drückt sich eher schwammig aus "wird vorgezogen", "findet sich auch in der Standardsprache" usw., an anderen empfiehlt er das, was du gemacht hast: Im Zweifelsfall anders formulieren.

Ich würde mich an die Grundregel halten, die fast immer zutrifft, solange ich nicht fest davon überzeugt bin, dass eine Abweichung ebenfalls (oder sogar nur) richtig ist.

Zu deinem letzten Satz:
Wenn da nur steht "ein Viertel glaubt", dann würde ich mit der Einzahl weitermachen. Bei "ein Viertel der Frauen glaubt" wäre ich mit beiden Fortsetzungen "es habe" wie auch "sie hätten" einverstanden. Wobei das wohl gar nicht mehr so viel mit der Kongruenz zu tun hat, sondern worauf sich das Pronomen bezieht. Das Verb "glaubt" würde ich hier nur in der Einzahl verwenden, der Kasus ist nicht derselbe (siehe Zitat oben: "Doch findet sich in solchen Fällen auch in der Standardsprache statt des Singulars häufig der Plural des Finitums (Konstruktion nach dem Sinn). Das gilt vor allem dann, wenn das Gezählte und die Mengenangabe im Kasus übereinstimmen").

Bei "mehr als ein Viertel" steht der Plural, das Beispiel im Duden lautet "Über 50 % der Einwohner wurden Opfer der Cholera".

Zu dem "ein Viertel glaubt" heißt es: "Allerdings kommt der Plural des Finitums nur selten dann vor, wenn nach einer Mengenangabe das Gezählte nicht genannt wird: Gewiß würden eine Menge die Gelegenheit benutzen (A. Zweig)".
Bei anderer Reihenfolge würde ich die Einzahl nehmen: Eine Menge würde die Gelegenheit nutzen.

Jetzt stelle ich den Duden wieder in den Schrank
Antwort: 
Zugegeben  #893570
von Proteus-, 2018-07-05, 23:23  like dislike  Spam?  193.83.0....
Im Beispiel '... eine Reihe von Studenten waren bereits Parteimitglieder' / 20:21 wäre war offensichtlich falsch. Aber diese eine Ausnahme belegt doch sehr schön die Regel, die man ja nur einmal durchdenken muss.

In allen Sprachen, die ich kenne, ist Grammatik weit eher eine Hilfe zum Verstehen und gelungen Formulieren als ein Stolperstein oder eine Marotte.
Chat:     
darum geht es ja nicht  #893628
von Gerhard- (DE), 2018-07-07, 19:29  like dislike  Spam?  
hier sind eben Leute unterwegs, die sich sehr für Sprachen und Grammatik interessieren und den Zweifelsfällen und Widersprüchen, und dem unterschiedlichen Sprachgefühl, nachgehen. Nur stößt das in natürlichen Sprachen halt irgendwann an Grenzen.

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