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Deutsch-Englisch-Wörterbuch

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Frage:
Eure Meinung ist benötigt:  
von dalianabhan (EG), 2019-12-23, 12:29  like dislike  Spam?  
In einer Diskussion mit Germanisten, meinte ich, dass man im gehoben geschriebenen deutschen Text die vielen Nebensätze vermeiden sollte. Beispiel:

Das Projekt zielt darauf ab, das Wirtschaftswachstum zu beschleunigen.

Ich meinte, es wäre gehobener -  insbesondere in einem langen Text mit vielen Details - es folgendermaßen zu formulieren:

Das Projekt zielt auf die Beschleunigung des Wirtschaftswachstums.

Um weniger Nebensätze zu schreiben. Ökonomischer Umgang mit der Sprache.

Was meint ihr?

Danke im Voraus!
Antwort: 
von Sasso', 2019-12-23, 13:52  like dislike  Spam?  193.187.3...
 #914877
Wenn mit ökonomischer Sprachgebrauch gemeint ist, dass sprachliche Äußerungen möglichst wenige Wörter enthalten sollen, dann halte ich das für eine verfehlte Strategie. Möglichst wenige Wörter bedeutet viele Nominalkonstruktionen und auseinandergerissene Verben ("zielt auf ……………... ab" statt "zielt darauf ab"). Das macht Aussagen in der Regel schlechter verständlich als Verbalkonstruktionen und Nebensätze. Da Sprache aber nun einmal den Zweck hat, eine möglichst gute Verständigung zu gewährleisten, ist so ein Stil ein schlechter Dienst am Leser oder Hörer. Deswegen wäre meine Empfehlung: Nebensätze immer dann, wenn sie die Verständlichkeit und Lesbarkeit erhöhen, und dann nicht, wenn sie zu Schachtelsätzen führen (Nebensatz im Nebensatz im Nebensatz).

Mit Schriftsprache und gehobenem Stil hat das eigentlich nichts zu tun. Es ist nur so, dass man in der gehobenen Schriftsprache häufiger Nominalkonstruktionen findet als in der saloppen Umgangssprache. Das heißt aber nicht, dass das deswegen ein erstrebenswerter Stil ist. Ich sehe auch keinen Zusammenhang mit langen Texten und vielen Details. Auch in langen Texten werden die Sätze nacheinander gelesen und jeder einzelne Satz sollte möglichst leicht lesbar und sofort verständlich sein.

a) Das Regierungsvorhaben zielt darauf ab, das Wirtschaftswachstum zu beschleunigen.
b) Das Regierungsvorhaben zielt auf die Beschleunigung des Wirtschaftswachstums ab.

Diese beiden kurzen Formulierungen stehen für mich auf gleicher Stilebene und sind gleich gut verständlich. Das Problem stellt sich wahrscheinlich eher bei längeren Sätzen komplizierteren Sachverhalten.
Chat:     
von MichaelK (US), 2019-12-23, 14:19  like dislike  Spam?  
 #914878
Stimme Sasso' zu. Meiner Meinung nach ist der erste Satz besser.. 'Zu viele Substantive' (wie die 'Beschleunigung' hier) ist ein typisches Merkmal von schlechtem Deutsch. Der Nebensatz kann auch anders vermieden werden, z.B.: Das Projekt soll das Wirtschaftswachstum beschleunigen.

Es kommt auf den Sachzusammenhang an, aber 'gehobener' ist nicht unbedingt besser. Genau wie die zu vielen Substantive, kann 'gehobener' eine klare Aussage zugrunde richten oder sogar lächerlich machen.
Antwort: 
von Sasso', 2019-12-23, 14:23  like dislike  Spam?  193.187.3...
 #914879
Man kann nicht sagen, dass Nebensätze generell ein Merkmal der Umgangssprache und Nominalkonstruktionen generell ein Merkmal der gehobenen Schriftsprache sind. Im Vergleich zum Englischen.hat das Deutsche auf allen Sprachebenen die Tendenz zur Nominalisierung, z.B.

Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit! - I am looking forward to working with you!
Ist das in Ihrem Sinn? - Is that what you had in mind?

Bei den folgenden beiden Formulierungsbeispielen auf der gleichen schriftsprachlichen Ebene ist m.M.n. c) mit den Nebensätzen die besser lesbare und verständliche Stilvariante:

c) Eines der Dinge, mit denen man die meiste Zeit verschwendet, ist, zu versuchen, sich an den Benutzernamen und das Kennwort für eine bestimmte Webseite zu erinnern.
d) Einer der größten Zeitverschwender ist der Versuch einer Erinnerung an den Benutzernamen und das Kennwort für eine bestimmte Webseite.
Antwort: 
von Micha77xx, 2019-12-23, 14:26  like dislike  Spam?  37.120.217....
 #914880
Sasso hat natürlich recht, lass es mich etwas pointierter formulieren:

Du schreibst was von Nebensätzen die man vermeiden sollte - klar, lange verschachtelte Nebensätze sind schwer zu lesen. Dein Beispiel enthält aber gar keinen Nebensatz. Sondern du hast einfach aus einem Verb ein Substantiv gemacht. Dafür gibts einen ironischen Fachbegriff: Substantivitis

https://www.pressesprecher.com/nachrichten/hilfe-substantivitis-371...

Verben machen die Sprache lebendig, Substantive machen sie steifer. Der Grund warum dir dein zweiter Satz "gehobener" vorkommt, liegt daran, dass das eine typische Behörden/ Juristensprache ist. Und mann die gut auch noch passiv setzten kann. Passiv ist immer prima wenn man verschleiern will wer für etwas Verantwortlich ist. Also aus "wir verändern jetzt was" wird "wir streben eine Veränderung an" und daraus "eine Veränderung wird angestrebt".

Augenzwinkernde Abschlussbemerkung: Kann es sein dass der Germanist dir das alles genau so erklärt hat, aber dir hat das nicht gefallen und deshalb suchst du nach Gegenargumenten?
Antwort: 
Ich pflegte, fast täglich Spiegel online zu lesen, und zwar seit langer Zeit.  #914885
von dalianabhan (EG), Last modified: 2019-12-23, 19:45  like dislike  Spam?  
Ich bin selbst eine Germanistin. In den linguistischen Büchern traf ich auf keine Differenzierung derart. Ich weiß nicht, ob der Eindruck bei mir, dass die Nominalkonstruktionen gehobener sind, durch die Sprache von Spiegel entwickelt wurde?

Ich lese oft den linguistischen Büchern und lese vor allem Spiegel. Ich versuche nur herauszufinden, woher ist dieser sprachliche Eindruck gekommen. Wäre es die Sprache von Spiegel?
Antwort: 
This says it all  #914890
von dalianabhan (EG), Last modified: 2019-12-24, 11:07  like dislike  Spam?  
https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/978-3-322-86153-5_21....

G. Briese-Neumann, Professionell Schreiben
© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1993

S. 241

"Die Entscheidung substantivisch oder verbal wird dadurch er-
schwert, dass der Textproduzent, insbesondere zur Darstellung

von Sachverhalten heute intuitiv den Nominalstil wählt. Diese im
Prinzip sachadäquate Entscheidung kann aber auch Nachteile

haben. Wer die Formulierung stilistisch nicht dem Zufall über-
lassen und begründete Entscheidungen in der Wahl der Wörter

und Satze treffen will, muss sich bewusst machen, wo die spezifi-
schen Leistungen der beiden Ausdrucksformen - abhängig yom

Handlungsbereich - auf Satzebene liegen. In spontaner sprachli-
cher Äußerung werden viele Gliedsätze gebildet. Verben tauchen

in kurzen Abstanden auf. Konjunktionen, die Gliedsätze einlei-
ten, signalisieren dem Hörer/Leser, urn welche gedanklichen

Beziehungen es sich jeweils handelt (wenn, während, dass, indem,

obwohl usw.). Daraus folgt eine natürliche Gliederung der Aus-
sage, die dem Kommunikationspartner das Begreifen der Mittei-
lung erleichtert. Die unbefangene sprachliche Erwartung ist

zweifellos auf solche Strukturen ausgerichtet und eingestimmt.

Verbalstil ist das Selbstverständliche und bedarf keiner besonde-
ren Motivierung. Nominalstil erweist sich dagegen als zweck-
entsprechend und vorteilhaft, wenn Sprachökonomie gefordert

ist, das heißt höher Informationsgehalt bei einem sparsamen

Aufwand der Ausdrucksmittel, verbunden mit begrifflicher Prä-
zision. Allerdings ist durch substantivische Ausdrucksweise die

Eindeutigkeit der Aussage nicht immer gewährleistet."
Antwort: 
Gegenbeispiel  #914894
von hausamsee (DE), Last modified: 2019-12-23, 21:09  like dislike  Spam?  
Die Kunst der Verständlichkeit des Schreibens. -> Die Kunst, verständlich zu schreiben. Was sollte hier das Adjektivabstraktum "Verständflichkeit"? Bei Kunst handelt es sich um ein Vermögen. Adjektiv plus Infinitiv verbindet die Wörter viel besser. Der Duden bringt das Beispiel "Die Inbetriebsetzung der Maschine erfolgt erst morgen. Besser: Die Maschine wird erst morgen in Betrieb gesetzt." Bildungen auf -ung gelten als schwerfällig. Das eher nichtssagende "erfolgt" ermöglicht die "Inbetriebsetzung". Satt eines Funktionverbs empfiehlt der Duden ein einfaches.

Der Spiegel ist eigentlich nicht bekannt für seinen Nominalstil (im negativen Sinne). Wolf Schneider kritisiert manchmal den Spiegel, manchmal lobt er ihn. Zum Stil des Spiegels bzw. dem Spiegel-Jargon ist seit Enzensbergers "Die Sprache des Spiegel" (1957) viel geschrieben worden. Der Spiegel ist bekannt für "originellen" Substantivbildungen, gehäufte Synonyme für Namen usw. Möglw. zieht er auch (manchmal) den Hauptsatz vor, der in Reihung schnelles Lesen begünstigt.
Antwort: 
hausamsee   #914895
von dalianabhan (EG), Last modified: 2019-12-23, 21:47  like dislike  Spam?  
Gelten die "Substantivbildungen" des Spiegel nicht als eine Art Nominalstil?
Chat:     
von hausamsee (DE), Last modified: 2019-12-23, 23:08  like dislike  Spam?  
 #914897
das ist vielleicht etwas missverständlich gewesen; ich meine nicht Substantivierungen, dann handelt es sich schnell um Nominalstil, sondern Schöpfungen wie "Edelherberge" für Luxushotel, was lustig sein soll. Ich lese den Spiegel nicht, und weiß nicht, ob Der Spiegel den Nominal- oder Verbalstil bevorzugt. Ich dachte nur auch an die Marotte, immer Synonyme zu verwenden. So in einem Artikel von 2004 dreimal Gras, sechsmal Hanf, neunmal Marihuana, elfmal Haschisch oder Hasch und 38-mal Cannabis. Vielleicht vermeidet er den Verbalstil, weil er zu unübersichtlicher Syntasx verführt. Beides brigt Gefahren - es kommt eben immer darauf an! Für "gehobenen Stil" halte ich den des Spiegels eigentlich nicht. Manchmal ist das einfach lächerlich.
Antwort: 
Vielen Dank an Alle!  #914898
von dalianabhan (EG), 2019-12-23, 23:20  like dislike  Spam?  

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